Mehrsprachigkeit ist ein Segen

15.05.2014

Prof. (emeritus) Dr. Henning Wode (Anglist und Sprachwissenschaftler) spricht in der Abteilung Sozialpädagogik des BBZ Plön über Sprachenlernen mit Immersion.

Mehrsprachigkeit ist ein Segen

Prof. (emeritus) Dr. Henning Wode (Anglist und Sprachwissenschaftler) spricht in der Abteilung Sozialpädagogik des BBZ Plön über Sprachenlernen mit Immersion.

  „Spracherwerb vollzieht sich automatisch, ist nicht beeinflussbar und unter Umständen nicht zu verhindern.“  

Vielen Jugendlichen und Erwachsenen, die sich an ihren Fremdsprachenunterricht in der Schule erinnern, mag dies nicht unbedingt vertraut vorkommen. Automatisch? So fühlte sich das doch nicht an, oder? Nicht beeinflussbar? Hat man uns da nicht etwas anderes eingeredet? Nicht zu verhindern? Schön wär's, denken sich wohl viele.

Nichtsdestotrotz wandte sich Herr Prof. Dr. Henning Wode mit gerade dieser Botschaft am 15.05.2014 in einem Vortrag an Schülerinnen und Schüler der Fachschule für Sozialpädagogik. Eingeladen von Monika Klint (Englischlehrkraft), ermutigte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer, auf den natürlichen Lernprozess beim Sprachenlernen zu vertrauen. „Nutzen Sie die Chance zum Erlernen weiterer Sprachen, die bei uns allen im Kopf vorhanden ist.“

Mehrsprachigkeit ist in fast allen Bereichen unseres Lebens inzwischen Realität und auch im Berufsfeld der Erzieherinnen und Erzieher Herausforderung und Chance zugleich. Nicht selten wird durch Eltern oder auch durch die Politik ein früher Einstieg ins Fremdsprachenlernen gefordert, was die Kindertagesstätten vor eine neue Aufgabe stellt.

Wie kann man z. B. im Kindergarten eine neue Sprache vermitteln? Laut Prof. Wode am besten mit der Immersionsmethode, dem Eintauchen in die zu lernende Sprache, also genauso, wie wir es alle mit unserer Muttersprache erlebt haben. Diese sehr erfolgreiche Methode, etablierte sich in Schleswig-Holstein und in Deutschland nicht zuletzt durch Prof. Dr. Wodes Forschung Mitte der 90er Jahre. In dieser Zeit fasste der AWO-Kindergarten in Altenholz/Kiel einen, wie es damals schien, mutigen Entschluss, nämlich die Kinder deutsch-englisch-bilingual zu betreuen. Dies bedeutet, dass mindestens eine Erzieherin oder ein Erzieher mit den Kindern ausschließlich Englisch spricht. Die Kinder begegnen dem Englischen hier jeden Tag, hören den Klang der Sprache und nach einiger Zeit reagieren sie auf einfache Anweisungen. Die Kinder entscheiden jeden Tag, in welcher Sprache sie wann und wie viel sprechen. Das Sprechen selbst kann, wie beim Erwerb der Muttersprache längere Zeit auf sich warten lassen. Dies sei ganz natürlich, so Wode, der das Modell wissenschaftlich an der Universität Kiel begleitete. Seit 1999 unterrichtet auch die staatliche Claus-Rixen-Schule in Altenholz ab der 1. Klasse alle Fächer auf Englisch – außer Deutsch - , um den Spracherwerb kontinuierlich weiterzuführen. Am Ende der Grundschulzeit haben die Kinder ein sehr hohes Niveau in der englischen Sprache, wovon sich die angehenden Erzieherinnen und Erzieher anhand von Videosequenzen überzeugen konnten.

Die gängigen Vorbehalte gegen frühen Fremdspracherwerb mit Immersion, wie Überforderung, Vermischung beider Sprachen und Leistungsabfall in den immersiv unterrichteten Fächern, erklärte Prof. Dr. Wode für unbegründet. Im Gegenteil erwiesen sich immersiv unterrichtete Schülerinnen und Schüler eher als kognitiv leistungsstärker und gerade in ihrer Muttersprache häufig kompetenter als die Vergleichsgruppen.

Dieser Erfolg hat noch einen mindestens genauso wichtigen positiven Nebeneffekt: Die frühe Vermittlung einer Fremdsprache durch Muttersprachler lässt die Kinder zu Jugendlichen heranwachsen, die anderen Sprachen und damit auch Kulturen mit einer positiven Einstellung begegnen, sagte Prof. Dr. Wode zum Ende seines Vortrags.

Er appellierte an die anwesenden Schülerinnen und Schüler den Erwerb von mehreren Sprachen aktiv zu unterstützen und auch die Möglichkeit zu erwägen, im Ausland in einem bilingualen Kindergarten Deutsch zu vermitteln. Er zeigte sich erfreut, dass in der Abteilung Sozialpädagogik des BBZ das Thema Mehrsprachigkeit fester Bestandteil des Lernangebotes ist und den Schülerinnen und Schülern seit einigen Jahren die Möglichkeit eröffnet wird, ein längeres Praktikum im Ausland (England oder Estland) zu absolvieren und dort dann ihrerseits den Segen von Immersion zu erfahren, indem sie in eine andere Sprachwelt eintauchen.
(Text: Monika Klint)