40 Schüler haben jetzt den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss in der Tasche

14.07.2017

Sarah-Maria, Robin, Mortaza, Finn, Damian und die anderen Jugendlichen, die am Preetzer Standort des Berufsbildungszentrums Plön (BBZ) die einjährige Ausbildungsvorbereitung absolviert haben, freuen sich jetzt erst einmal auf die Sommerpause. Vor allem aber sind sie froh darüber, jetzt deutlich optimistischer in die Zukunft blicken zu können, als das vor einem Jahr der Fall war. Damals hatten sie nämlich weder einen Schulabschluss noch einen Ausbildungsvertrag in der Tasche und auch sonst keine Perspektive.

BG

 Da kam der 2016 in Schleswig-Holstein neu eingeführte Bildungsgang Ausbildungsvorbereitung (AV-SH) gerade recht. Dessen Ziel ist es, die Ausbildungsreife der jungen Menschen zu verbessern, ihnen eine berufliche Orientierung zu geben und sie schließlich in eine Ausbildung oder in weiterführende Bildungsgänge zu vermitteln. Außerdem kann der Erste Allgemeinbildende Schulabschluss (ESA) erworben werden, der etwa vergleichbar mit dem früheren Hauptschulabschluss und eine wichtige Grundlage für die weitere berufliche Entwicklung ist. Der Unterricht konzentriert sich neben den allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch, Mathematik, Englisch und Wirtschaft/Politik auf    ausbildungsrelevante und berufsübergreifende Inhalte. Besonderen Wert genießt die praktische Ausbildung, die in den hauseigenen Werkstätten erfolgt. Das Spektrum reicht hier von Holz oder Metallverarbeitung, Farbtechnik über Hauswirtschaft, Nahrungszubereitung, Einzelhandel, Garten- und Landschaftsbau bis hin zu Kosmetik und Körperpflege. Auch Betriebspraktika spielen eine große Rolle, um erste Erfahrungen im realen Berufsalltag zu sammeln. „Die verstärkte Praxisorientierung führt nicht selten dazu, dass bei den Jugendlichen der vielzitierte Knoten reißt, weil sie plötzlich selbst erleben, dass ein gewisses mathematisches Grundwissen nötig ist, wenn beispielsweise in der Holzwerkstatt auf Maß gearbeitet werden soll. Die Schüler wissen dann endlich, wofür sie lernen“, erläutert Axel Böhm, Schulleiter des BBZ. Insgesamt 170 Schüler nahmen bisher an der AV-SH teil, von den 60 Jugendlichen ohne Schulabschluss haben inzwischen 40 ihr ESA-Zertifikat in der Tasche. „Ich bin richtig stolz, dass ich das Jahr so gut geschafft habe“, sagt Robin Reimers aus Lütjenburg. Und der 18-Jährige hat guten Grund dazu, zumal er wegen familiärer Probleme zu Hause ausgezogen war und in den zurückliegenden Monaten seinen Alltag allein neu ordnen musste. Geholfen hätten ihm hierbei auch die Coaching-Kräfte sowie die Schulsozialarbeiterin, die die Teilnehmer des AV-SH-Bildungsgangs begleiten. Stolz ist auch Mortaza Rezaie, der 2016 als Flüchtling aus Afghanistan lediglich mit Deutschkurs-Kenntnissen an die Berufsschule kam. Inzwischen hat er seine Prüfung fürs Deutsch-Zertifikat B1 geschafft, den Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss in der Tasche und gehört zu den Landesbesten im Fach Deutsch. Damian Hülskopf aus Preetz kann sogar schon einen Ausbildungsvertrag bei Frank-Druck vorweisen, wo er ein zweimonatiges Praktikum absolviert hatte. „Wir arbeiten sehr gut mit etlichen Firmen in der Region zusammen. Allerdings reichen deren Kapazitäten kaum noch aus, um die vielen Praktika-Wünsche zu erfüllen, die ja auch von allen anderen Schulen kommen. Deshalb sind wir ständig auf der Suche nach weiteren Kooperationspartnern“, sagt Triinu Buchloh, die kommissarische Abteilungsleiterin für die Ausbildungsvorbereitung. Interessierte Firmen können sich im BBZ melden.