Entlassung in den Gesellenstand vor geöffneten Laden

18.09.2019

Fleischer-Innung Holstein Nord spricht Auszubildende frei

Krummbek (los). „Altgeselle! Öffne die Laden!" Mit dieser Aufforderung nach überliefertem Brauch, dem Öffnen der Laden (Zunfttruhen), pflegt auch das Fleischer-Handwerk ein einleitendes Ritual, das in die Aushändigung der Gesellenbriefe mündet und einen feierlichen Moment im Werdegang der Berufsanfänger beschreibt. 

Innungsmeister Jürgen Fritze (Kalübbe) freute sich, anlässlich der Ausschreibungsfeier 2019 der Fleischer- Innung Holstein Nord insgesamt 15 (anwesende) Lehrlinge begrüßen und mit Unterstützung von Landesinnungsmeister Roland Lausen (Schleswig) freisprechen zu können. 

Traditionell in der Geschichte der Zünfte verwurzelt wurden Lehrlinge bei diesem Brauch stets erst vor geöffneten Laden rechtsgültig von der Verpflichtung ihrem Meister gegenüber entbunden und in den Gesellenstand entlassen. Im Rahmen der zünftigen Feierstunde am 28. August in „Witt's Gasthof" in Krummbek erreichte die Ausbildungszeit in Jürgen Fritzes Worten ihren „Höhepunkt und Abschluss" zugleich. Für die „Azubis" des Abschlussjahrgangs 2019 ging damit ihre dreijährige Lehrzeit zum Fleischer oder Fleischerei-Fachverkäufer zu Ende. Von 13 Gemeldeten und 12 zur Prüfung zugelassenen Auszubildenden bestanden 11 der Fleischerlehrlinge. Drei unter ihnen legten auch die Schlachtprüfung ab. 

Unter den Fleischerei- Fachverkäufern, die ebenfalls freigesprochen wurden, legten 9 von insgesamt 10 mit Erfolg ihre Prüfung ab. Ihren Gesellenbrief nahmen Silas Kruse (Bio-Hofschlachterei Muhs, Krummbek), Jan Torben Sielaff und Melena Wakenhut (Bernd Steffen, Muxall/Probsteierhagen), Maximilian Volk (Supermärkte Nord Vertriebs GmbH, Kiel), Michel Bahr (Citti Märkte GmbH, Kiel), Philipp Habermann (Hans Habermann, Preetz), Devin Beckhusen (Maik und Dirk Seemann, Kronshagen) und Ole Staack (Alpen Lebensmittelvertrieb GmbH, Schönberg) in Empfang. Bestanden haben außerdem (nicht anwesend) die Fleischer Markus Naumann (Edeka), Tim Amin (Supermärkte Nord Vertriebs GmbH, Kiel) und Patrick Jonasson (Famila, Kiel). Freigesprochen wurden weiterhin Nicole Burmeister, Yannik Tuschke und Jamie von Weydenberg (Suno/Rewe), Jasmin Schindeler (Markant), Jona Brodersen (Innere Mission Rickling), Robert Kollerbohm (Fleischerei Steffen, Muxall) und Melina Tessin (Fleischerei Muhs, Krummbek) als frisch gebackene Fleischerei- Fachverkäufer. In diesem Berufszweig bestanden außerdem (nicht anwesend) Lara Schaffner (Real) sowie Arlene Heitmüller- Macke (Suno/Rewe) in einer vorgezogenen Prüfung. Als Beste Fleischerei-Fachverkäuferin hat Nicole Burmeister abgeschnitten. Zweitbestes Prüfungsergebnis erreichte Melina Tessin gefolgt von Jamie von Weydenberg. 

Unter den Fleischern bestand Melena Wakenhut als Zweitbeste vor Maximilian Volk. Die erfolgreichste Prüfung des gesamten Jahrgangs legte Philipp Habermann ab, der sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil mit der Note 1 bestanden hat und somit Innungsbester 2019 wurde. Zudem schaffte er es, die Lehrzeit mit einer vorgezogenen Prüfung nach nur zwei Jahren abzuschließen. Jürgen Fritze würdigte das Durchhaltevermögen, den Einsatz und die Zielstrebigkeit der Berufsstarter, die es bis zur Prüfung geschafft haben. Einziger Wermutstropfen: Nicht alle wollen im Beruf bleiben. So strebten einige der Absolventen eine zusätzliche Ausbildung an, während andere weiter zur Schule gehen wollen. Sogar fürs Studium habe sich einer der Junggesellen entschieden, berichtete Klassenlehrer Steffen Zelas vom Plöner Berufsbildungszentrum (BBZ) über einen im Fleischer-Handwerk eher seltenen Schritt. 

Umso wichtiger sei es, für das Handwerk und seinen Nachwuchs die Werbetrommel zu rühren. „Erzählt, dass es sich immer lohnt, einen Handwerksberuf zu machen“, forderte Jürgen Fritze seine Zuhörer auf. Angesichts rückläufiger Ausbildungszahlen steuere das Handwerk derzeit auf einen Fachkräftemangel zu. Der Innungsmeister nutzte die Gunst der Stunde, den Gefeierten bei dieser Gelegenheit noch einmal ernste Worte mit auf den Weg zu geben: „Im Leben wird es Höhen und Tiefen geben – das wird immer so sein“, merkte er an und ermutigte zugleich, „weiter zu machen und an sich zu arbeiten“. Vielleicht auch die Meisterprüfung abzulegen und sich eines Tages selbständig zu machen. So, oder so: „Als gesuchte Fachkräfte werden euch Tür und Tor aufstehen“, unterstrich Fritze und verwies in dem Zusammenhang auch auf die Verantwortung als Vorbild für andere. Als Mitgestalter einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sei jeder gefragt, sich einzumischen und zu engagieren: „Für Frieden und Wohl."