Manchmal braucht man Zeit, wenn Träume scheinbar zerplatzt sind

18.09.2019

Berufsbildungszentrum ermöglicht neue Perspektiven

Paulina Schuldt ist 20 und meint - fast entschuldigend : „Nach meinem nicht erreichten Ziel, dem Abitur, wusste ich zunächst überhaupt nicht wie es weitergehen sollte." Jetzt ist der weitere Weg klar. Hilfe fand sie im Berufsbildungszentrum in Preetz. Dort erkannte man ihre Stärken. Im nächsten Sommer wird sie dort ihr Fachabitur machen. Und dann geht es, wohin sie schon immer wollte: An die Fachhochschule in Kiel. Ihr Berufsziel: Ingenieurin für das Bauwesen. 

Im Berufsbildungszentrum stellten Schüler der Oberstufe ihren Mitschülern jetzt die Ergebnisse ihrer vierwöchigen Praktika vor. Paulina musste sich in ihrem Leben bereits von etwas verabschieden, das sie von einem immer feststehenden Plan trennte: „Ich wollte Abitur machen und dann studieren." Das klappte nicht. Die Sprachen standen ihr im Wege. Statt dessen interessierten sie aber Mathematik und Physik. Es fiel ihr nicht schwer, sich das Verständnis zu diesen Fachgebieten zu verschaffen. Irgend wann aber war klar: So wird das nichts mit dem Abi. 

Mit der Realschulreife verließ sie das Gymnasium. Was nun? - war die Frage. „Ich hatte keine Ahnung, habe zwei Jahre lang gejobbt. Vom Berufsbildungszentrum habe ich dann eher zufällig gehört. Ich wusste nicht, dass ich dort ganz neue Perspektiven bekommen könnte." Sie bewarb sich, wurde angenommen. „Das war die Chance für mich!" Zwei Jahre dauert die Ausbildung. Am Ende des ersten Jahres schaffte sie es, durch ein europäisches Förderprogramm, an einer dänischen Schule angenommen zu werden. „Glücklicherweise war das in Sonderburg, nahe der deutschen Grenze. 

Die Lehrer sprachen deutsch mit mir. Mit den Mitschülern habe ich mich in englischer Sprache verständigt." Und jetzt, nach vier Wochen Dänemark, kann sie Gebäude sogar in 3-D konstruieren. Ein Jahr Schule in Preetz hat sie noch vor sich. „Es ist so wunderbar, was ich hier lerne. Alles, was theoretisch daherkommt, wird sofort in der praktischen Arbeit umgesetzt." Das Studium in einem Beruf, der ihr wegen ihres Verständnisses für mathematische und physikalische Prozesse nicht schwerfallen wird, kommt wieder in erreichbare Nähe. Jesper Witt (18) sitzt völlig entspannt vor seinem Bildschirm. Auch er hat in diesem Sommer ein Praktikum gemacht, und zwar in Nordfriesland. Für ihn ist klar: „Ich will nicht studieren, ich will ein Handwerk erlernen." Der junge Mann aus Kalübbe ist bekennen der Schleswig-Holsteiner. In seinem Praktikumsbetrieb „Deutsche Windtechnik" in der Nähe von Husum hat es im so gut gefallen, dass er sich dort inzwischen bereits um einen Ausbildungsplatz beworben hat. Mechatroniker möchte er werden. „Vielleicht möchte ich danach wirklich noch studieren. Aber ich tendiere eher zum Handwerk." Jesper ist es wichtig, Schleswig- Holstein nicht zu verlassen. Das hat aber nichts mit Bequemlichkeit zu tun. Er hat vielmehr für sich beschlossen, dass er sehr heimatverbunden ist. „Ich brauche eine überschaubare Landschaft, das Meer." 

In Preetz betreut das Berufsbildungszentrum angehende „energietechnische Assistenten". Die Eingangsvoraussetzung für die Aufnahme an der Schule ist die Realschulreife. Lars Stender und Burghard Hoechst betreuen die Schülerinnen und Schüler im Bereich „Energie und Gebäude". Und sie kennen die Klippen, die zu umschiffen sind, wenn die jungen Leute zu ihnen ins Berufsbildungszentrum kommen. „Einige", so Lars Stender, „haben ein klares Ziel vor Augen. Andere sind sich noch gar nicht sicher, ob dies ihr Weg ist. Deshalb haben wir dieses vierwöchige Praktikum eingeführt, das am Ende des ersten Jahres und in den ersten beiden Wochen der Sommerferien abgeleistet werden muss. Am Ende dieser Zeit steht zu Beginn des neuen Schuljahres die Praktikumspräsentation, zu der sie den jeweils nachfolgenden Jahrgang einladen. Für die jüngeren Schüler soll dies ein Ansporn für ihr eigenes Praktikum sein. Und die Praktikanten können viel besser entscheiden, ob der so eingeschlagene Weg richtig ist für sie." Paulina und Jesper hatten Glück. Sie wurden durch das Praktikum in ihren Wünschen bestärkt und werden den eingeschlagenen Weg weitergehen. Schülerinnen und Schüler, die sich für die Möglichkeiten interessieren, die das Berufsbildungszentrum für sie bereithält, können sich informieren auf: 

www.bbz-ploen.de

Quelle: Reporter - Preetz-Schusterstadt 09.2019

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