Der erste eigene Auszubildende ist fertig!

24.03.2022

Fachinformatiker sind schwer zu finden – IT-Abteilung sorgte dann selber für Unterstützung

Fachinformatiker Dennis

Das Berufsbildungszentrum mit seinen Standorten in Plön, Preetz und Futterkamp hat tagtäglich mit Ausbildung zu tun. Aber einen eigenen Auszubildenden hatte das BBZ nicht. Bis 2019. Da startete Dennis Schuster seinen Weg zum Fachinformatiker. Seit Februar hat er den Abschluss in der Tasche, hat die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt. 2021 wurde der nächste Auszubildende in der IT-Abteilung eingestellt, für den Sommer wird der oder die nächste gesucht.

1600 Schülerinnen und Schüler, 140 Lehrkräfte, vier Standorte in Plön, Preetz und Futterkamp. Das BBZ im Kreis Plön ist breit aufgestellt. Ob mit Berufsschulunterricht für Elektroniker, Fleischer, Maurer, Verwaltungsfachangestellte, Pferdewirte und einige mehr. Oder als Vollzeitschule, in der Abschlüsse in verschiedenen Schularten angeboten werden – also Berufsfachschule, Berufliches Gymnasium, Berufsoberschule Wirtschaft oder Fachschule Sozialpädagogik.

281 PC-Arbeitsplätze und 453 Notebooks kommen da zusammen, zwölf Serversysteme plus 36 virtuelle Server. Für die IT gibt es viel zu tun. Verantwortlich dafür ist seit 2017 Michael Eckeberg. Er war alleine. Das Problem: Unterstützung auf dem Arbeitsmarkt ist schwer zu finden. Die Lösung: „Dann bilden wir eben selber aus.“ So beschreibt Schulleiter Axel Böhm die damaligen Gedankengänge.

Der Bereich Technik ist für junge Menschen offensichtlich nicht mehr attraktiv, „wir haben einen starken Schülerrückgang in dem Bereich“, sagt Böhm. Eine Berufsfachschule Technik gibt es aber noch am BBZ. Und die hat Dennis Schuster 2019 erfolgreich mit der Fachhochschulreife beendet. Er bewarb sich um den Ausbildungsplatz – und wurde genommen. Die IT ist sein Steckenpferd, mit fünf Jahren saß er das erste Mal vor einem eigenen Computer. Er kennt sich aus.

Als kleiner Junge „habe ich nur gespielt, aber irgendwann fragt man sich, wie so ein Computer wohl funktioniert“, erzählt Schuster. Er bestellte Teile, baute den ersten Computer selbst zusammen, fing an zu programmieren. „Mit 13 oder 14 habe ich das erste Netzwerk zusammengesteckt“, erinnert er sich. Und natürlich an LANPartys mit Freunden. Jetzt hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Der Schulleiter blickt zurück: „Wir hatten riesiges Glück.“ Denn Schuster kam gerade zur richtigen Zeit. Als Corona 2020 anfing, hat das BBZ viele neue Geräte beschafft. 180 neue Notebooks als Leihgeräte für Schüler hat der Auszubildende für den Gebrauch vorbereitet, alles installiert.

Die IT-Administration musste die Lernplattform stark ausbauen und ein eigenes Videokonferenzsystem bereitstellen, damit Distanzunterricht von zu Hause stattfinden konnte. Und natürlich wurde für die Außen- Zugänge gesorgt. Ab Herbst lief der Unterricht von Ferne nach Stundenplan, sagt Schulleiter Böhm, bis Ende Mai 2021. Eckeberg und Schuster haben die Aufgabe gestemmt.

Der inzwischen 24-jährige ausgelernte Fachinformatiker der Fachrichtung Systemintegration redet gar nicht viel. „Wenn er ein Problem sieht, denkt er nach, findet eine Lösung – und ist fertig“, sagt Böhm anerkennend, und Michael Eckeberg nickt. Drei Jahre dauert regulär die Ausbildung, und sie beinhaltet eine besondere Zusatzqualifikation.

„Unsere Auszubildenden wissen, wie Schule funktioniert“, sagt Böhm mit Blick auf den Digitalpakt. Immer mehr Schulträger werden sich überlegen, wer die Pflege der IT an Schulen übernehmen kann. Die Jobs für Dennis Schuster und folgende Auszubildende werden auf der Straße liegen. Tun sie aber auch jetzt schon. „Pro Woche kriege ich auf den Internet-Plattformen wie Xing oder Linkedin mehrere Nachrichten und Anfragen“

verrät der Fachinformatiker. Abwerben lassen hat er sich nicht. „Die Kollegen hier sind nett, das hält mich hier“, erzählt er. Am BBZ dürfe er eigene Ideen einbringen und die umsetzen. Zum Ausbildungsabschluss hat Schuster eine Projektarbeit vorgelegt, deren Idee das Berufsbildungszentrum schon lange vor sich hergeschoben hatte. Er hat sie umgesetzt: Single Sign On, eine zentrale Plattform zum Anmelden. Nur noch ein Benutzername und ein Kennwort – und die User sind überall drin. Das spart allen eine Menge Arbeit. „Wir sitzen natürlich viel vor dem Rechner“, beschreibt Michael Eckeberg den Job. Immer mit Blick aufs Monitoring-System an der Wand, mit rot und grün blinkenden Lichtern. Laufen alle Server? In den Klassenräumen gibt es aber auch viel Präsentationstechnik. Wenn da mal etwas ausfällt, sind die Administratoren auch an allen Standorten unterwegs, um zu helfen. Und natürlich, wenn Lehrer oder Schüler Probleme haben – oft Anwendungsprobleme. Vieles lässt sich aber per Fernwartung erledigen. Das BBZ ist also anerkannter Ausbildungsbetrieb, Michael Eckeberg musste dafür einen Ausbildungsschein bei der IHK machen – mit Prüfung. Es hat sich gelohnt. Das Experiment Ausbildung am BBZ ist gelungen. 

„Wir wussten, dass wir das können – weil wir Schule sind“, sagt Böhm überzeugt. Im Sommer soll zum dritten Mal eine Ausbildung zum Fachinformatiker starten, noch ist der Ausbildungsplatz frei. Wer Interesse hat, kann sich an den stellvertretenden Schulleiter Jörn Wiezorek wenden. Übrigens: Der Berufsschulunterricht für diesen Auszubildenden oder die Auszubildende findet nicht im Hause statt. Dafür geht es ins RBZ-Technik nach Kiel.

Quelle: Ostholsteiner Zeitung, Anja Rüstmann